Plötzlich ganz nah dran: Studierende in Brüssel

08.12.2014

Gemeinsam mit dem An-Institut Neue Effizienz reisten 40 Studierende der Bergischen Universität Wuppertal vom 17.11. - 20.11.2014 nach Brüssel und traten dort zum Thema Energie- und Umweltpolitik in einen Dialog mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Brüssel/Wuppertal - Bereits zum zweiten Mal veranstaltete die Neue Effizienz, vertreten durch Geschäftsführer Jochen Stiebel und Projektleiterin Sonja Stracke, eine Bildungsreise zum Thema Energie- und Umweltpolitik gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Politikwissenschaft an der Bergischen Universität unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Joachim Lietzmann, Jean-Monnet-Professor für European Politics. Schon 2013 hatte sich diese Kooperation im Rahmen einer Exkursion nach Berlin bewährt – auch damals lautete das Thema „Energie- und Umweltpolitik“. Aufgrund dessen Bedeutung in der EU-Politik stand Brüssel schon kurz darauf als nächstes Reiseziel fest.

Direkt mit den am politischen Prozess teilnehmenden Akteuren sprechen – statt wie sonst über sie. Mit dieser Motivation ging es für die 40 Studierenden aus den Studiengängen Europäistik, Politik- und Sozialwissenschaften in die belgische Hauptstadt, wo sie ein vielseitiges und spannendes Programm erwartete.

Der Zeitpunkt der Reise hätte dafür günstiger kaum ausfallen können. Nur drei Wochen zuvor hatten sich die Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfeltreffen auf ein umfassendes Energie- und Klimapaket mit Zielen bis 2030 geeinigt. Entsprechend konnten die Studierenden von der Aktualität ihres Leitthemas in Brüssel profitieren. „Fragen Sie beharrlich nach und scheuen Sie sich nicht, kritisch zu sein.“, gab Prof. Dr. Lietzmann seinen Studierenden deshalb zu Beginn der Reise mit auf den Weg.

Den Auftakt bildete ein Besuch bei Herbert Reul, CDU-Europaabgeordneter aus dem Bergischen Land. Es folgten weitere Termine bei der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Deutschen Städtetag sowie der Europäischen Kommission, wo das neue Team um Jean-Claude Juncker erst 17 Tage zuvor die Arbeit aufgenommen hatte. Die von der Öffentlichkeit oftmals beklagte Ferne der EU zu den Bürgern wussten die Wuppertaler Studierenden leicht zu überwinden und fanden so den Einstieg in spannende Diskussionen. „Man merkt sehr schnell, ob derjenige, mit dem man spricht, ein einstudiertes PR-Programm abspult. Dann gilt es nachzuhaken, denn nur so kommt man an die wirklich interessanten Infos.“, befand Bachelor-Student Steffen Schmidt. „Sie stellen die richtigen Fragen und sind offenbar gut vorbereitet“, musste man schließlich auch im Ausschuss der Regionen anerkennen.

Als lehrreich erwies sich vor allem wie die Akteure mit Ihren unterschiedlichen Rollen jeweils eine andere Perspektive auf politische Themen einnahmen. So war etwa die in den Medien viel beachtete Ökodesign-Richtlinie für Staubsauger ein immer wiederkehrender Gegenstand angeregter Debatten zwischen den Studierenden und ihren Gesprächspartnern. „Diese Richtlinie zog sich ganz zufällig wie ein roter Faden durch unser Programm in Brüssel und Sie konnten alle feststellen, dass beinahe jeder Akteur Ihnen dazu etwas anderes erzählt.“, erklärte Prof. Dr. Lietzmann bei einem Zwischenfazit.

Neue Erkenntnisse bot besonders die Diskussion mit Malte Lembrecht aus dem Brüsseler Lobbybüro der Siemens AG. Die Studierenden erhielten hier einen umfassenden Einblick in die energiewirtschaftlichen Zusammenhänge und Fragen, die die politischen Interessen des DAX-Konzerns maßgeblich prägen: Wie hat sich der Markt in den letzten Jahren entwickelt? Welche Herausforderungen stehen noch bevor? Und welche Rolle spielen politische Vorgaben aus Brüssel für die Zielsetzung des Unternehmens? Zwar erfuhr die Gruppe nicht im Detail, wie sich dessen Annäherung an Brüsseler Entscheidungsträger gestaltet. Dennoch resümierte die Master-Studentin Janina Kleist: „Jetzt ist man ganz nah dran. Steigern könnte man das nur noch, indem man selbst einen Blick in die Dossiers der Kommission wirft.“

Diese Möglichkeit bietet sich den Teilnehmern möglicherweise in einem der zahlreichen Praktika, die von den Institutionen der EU sowie von Verbänden und Unternehmen in Brüssel jedes Jahr ausgeschrieben werden. Vor Ort nutzten bereits einige von Ihnen die Chance, um dafür Kontakte zu knüpfen. Das freut besonders Sonja Stracke, die positiv auf die Woche zurückblickt: „Da die Neue Effizienz auch Schnittstelle zur Wirtschaft ist, begrüßen wir es natürlich, wenn junge Leute früh mit Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit in Kontakt kommen. Dieses Ziel hat unsere Reise nach Brüssel mehr als erfüllt.“