Batteriebus „BOB“ macht Diesel überflüssig - Bundesregierung fördert Solinger Nahverkehrsprojekt mit 15 Millionen Euro

28.04.2017

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert das Solinger Projekt „BOB-Solingen“ mit 15 Millionen Euro. Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim BMVI, übergab am Montag (24. April 2017) in Berlin den Förderbescheid. 

Das Kürzel BOB steht für „Batterie-Oberleitungs-Bus“, einen neuartigen O-Bus-Typ, der als rollende Batterie in der Lage ist, auch ohne ständige Verbindung zur Oberleitung unterwegs zu sein. Ziel des Forschungsprojekts ist es, das Solinger O-Bus-Netz, das größte Deutschlands, dank der neuen Busse mit dem städtischen Stromverteilnetz zu verknüpfen und zu einem Smart-Trolleybus-System (STS) umzuwandeln. Dies ist in der Bundesrepublik so bisher einzigartig.

Umgesetzt wird das Projekt mit dem offiziellen Namen: „Mit dem Batterie-Oberleitungs-Bus (BOB) und der intelligenten Ladeinfrastruktur zum emissionsfreien ÖPNV“ von einem Konsortium, das aus den Stadtwerken Solingen, den SWS Netze Solingen, der Stadt Solingen, der Bergischen Universität Wuppertal, der Bergischen Gesellschaft für Ressourceneffizienz (Neue Effizienz), der Wuppertaler NetSystem GmbH und der Voltabox Deutschland GmbH aus Delbrück besteht. Während die Konsortialführung bei den Stadtwerken Solingen liegt, hat die Neue Effizienz als regional verankerte Institution nicht nur die richtigen Partner an den sprichwörtlichen Tisch geholt, sondern auch die wichtige Rolle des Projektkoordinators übernommen.

„Wir sind besonders froh, dass die dreijährige Vorarbeit hiermit Früchte trägt. Wir haben dabei verschiedene Fördermöglichkeiten geprüft, das Projekt qualitativ mit Hilfe der Projektpartner weiterentwickelt und die Antragstellung koordiniert.“, erläutert Daniel Bogatz, Projektleiter bei der Neuen Effizienz und zukünftiger Koordinator des Gesamtprojekts und blickt mit Stolz auf die nächsten 5 Jahren, die der Projektumsetzung dienen werden.

Bis 2021 soll der Stadtwerkefuhrpark im Rahmen der notwendigen Ersatzbeschaffung, der insgesamt 50 Elektro-Gelenk-O-Busse zählt, auf zwanzig „BOB“-Busse anwachsen. Allein die 1.000 Kilo schwere, flüssigkeitsgekühlte Batterie kostet 100.000 Euro.

„Smart“ werden die Solinger Trolleybusse vor allem deshalb, da sie nicht mehr lediglich Energieverbraucher sind, sondern zu mobilen Stromspeichern und selbst zu Stromerzeugern werden. Z.B. kann die beim Bremsvorgang freigesetzte Energie wieder in das Netz einspeist werden. Über das STS wird zudem Energie dort zur Verfügung gestellt, wo sie gebraucht wird. „Damit wird es erstmals möglich, bislang durch Dieselbusse bediente Linien komplett elektrisch und emissionsfrei zu befahren.“ freut sich Conrad Troullier, Geschäftsführer der Stadtwerke Solingen. Überlegt wird im Bergischen auch, nach und nach weitere stationäre Stromspeicher, Photovoltaik-Anlagen und Ladestationen für eBikes und Elektrofahrzeuge in das System einzubinden. Das STS kann durch die neuen Betriebskomponenten im Oberleitungsnetz Systemdienstleistungen für das Mittelspannungsnetz offerieren und zukünftig an regionalen Flexibilitätsmärkten anbieten und so neue Erlösquellen erschließen. Konkret geht es um die Sektorkopplung zwischen Mobilitäts- und Energiemärkten. Durch die damit gewonnene Flexibilität von Energieangebot und -nachfrage werden Übertragungsverluste minimiert und die Energieeffizienz des elektrischen Personennahverkehrs insgesamt gesteigert. „So werden Mobilitäts-, Energieversorgungs- und Stadtentwicklungsfragen nicht getrennt voneinander, sondern integriert als städtisches Gesamtsystem betrachtet.“ erklärt Jochen Stiebel, Geschäftsführer der Neuen Effizienz. Hierfür müssen zukünftig neuartige Geschäftsmodelle für Verkehrsbetriebe, Energieversorger und Netzbetreiber entwickelt werden.

Der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach ist vom „BOB“ begeistert: „Wer das Auto stehen lässt und Bus fährt, handelt schon heute verantwortlich, weil er die Umwelt schont. Mit dem Batterie-O-Bus erreichen wir aber ganz neue Dimensionen. Das lohnt sich bereits schon ab dem ersten BOB in Solingen. Durch seinen Einsatz auf der Teststrecke werden nach Berechnungen der Stadtwerke 334 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Und den Solingerinnen und Solingern wird viel Feinstaub erspart“. Die Klingenstadt und damit auch das Bergische Städtedreieck wird zum Vorreiter für zukunftsweisende ökologische Mobilität!