Industrie 4.0, die vierte industrielle Revolution?! - Vortrag bei der TAW Herbstakademie 2015

30.10.2015

Im Rahmen der diesjährigen Herbstakademie der Technischen Akademie Wuppertal sind wir gemeinsam mit zwei Netzwerkpartnern - Christoph Müller (Beck IPC) und Dr. Sigmund Schimanski (Bergische Universität Wuppertal) - und knapp 20 interessierten Unternehmensvertreterinnen und –vertretern der Frage nachgegangen: Industrie 4.0, die vierte industrielle Revolution?!

Von vielen wird Industrie 4.0 als Modebegriff abgetan. Für andere ist es tatsächlich nichts weniger als die vierte industrielle Revolution. Tatsächlich verdeutlicht Industrie 4.0 die zentrale Bedeutung von Industrie und Produktion für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. Damit drückt das Konzept hinter dem Begriff die strategischen Zielsetzungen der Wirtschafts- und Industriepolitik aus. Einzelne Aspekte sind entweder bereits gängige Praxis, andere wiederum weit entfernte Zukunftsszenarien.

Nach einer kurzen Einführung haben Christoph Müller (Beck IPC) und Dr. Sigmund Schimanski (Bergische Universität Wuppertal) anhand von vielen Praxisbeispielen das Voranschreiten der Digitalisierung in allen Lebensbereichen skizziert. Auf Unternehmensebene beschreibt Industrie 4.0 beine neue Art der wirtschaftlichen Produktion, die durch eine durchgängige Digitalisierung und die stärkere innerbetriebliche sowie überbetriebliche Vernetzung (vertikale und horizontale Integration) geprägt ist. Der digitale Wandel erfasst und verändert die gesamte Wertschöpfungskette. 3D Druck, Cloud-Computing, Cyber-Physische Systeme und das Internet der Dinge sind nur einige Schlagworte, die veranschaulichen, wie die Digitalisierung den modernen Produktionsprozess durchdringt. Dies bietet laut Christoph Müller, welcher sich seit 30 Jahren mit dem Thema Automatisierung und Digitalisierung der Produktion auseinandersetzt, enorme Potentiale, um abseits bewährter Pfade neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Wichtig ist hier vor allem der offene Blick für Veränderungen und die Identifikation von Chancen. Doch gerade bei einem stetig steigenden Digitalisierungsgrad darf die Rolle des Menschen nicht außer Acht gelassen werden. So hat Dr. Schimanski von der Arbeitsgruppe Human Factors Engineering der BUW vor allem die nutzerzentrierte Sicht bei der Entwicklung von Produkten und Arbeitsprozessen betont.

Dem häufig traditionell hierarchisch geprägten Mittelstand steht hier nicht nur eine technologische, sondern vor allem auch eine paradigmatische Umwälzung bevor, welche nicht nur technologisch und organisatorisch, sondern auch sozial getrieben sein wird. Gewinner dieser Entwicklung ist nicht mehr das Unternehmen, dass seine Geheimhaltung um bestehende Produktionsmethoden bestmöglich verteidigt, sondern dasjenige, das am besten vernetzt ist und am agilsten handelt. Dabei sind die Auswirkungen und die Potenziale der vierten industriellen Revolution in Deutschland enorm: Neben einer Befriedigung individueller Kundenwünsche und rentabler Einzelstück-Produktion rücken ebenso Ressourcen- und Energieeffizienz sowie urbane Produktion in den Fokus und eröffnen gerade KMU immense Möglichkeiten für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Um dies zu verdeutlichen wurden im Verlauf des Seminars Praxisbeispiele und aktuelle Herausforderungen für Industrieunternehmen aufgezeigt. 

Das im nächsten Jahr startende und von der Neuen Effizienz organisierte „Innovationsnetzwerk GreenTec und Ressourceneffizienz – Chancen aus Industrie 4.0 und Smart City“ (kurz: Innovationsnetzwerk GreenTec) wird sich intensiver mit dem Thema Industrie 4.0 auseinandersetzen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen stehen im Focus des Projekts: Sie sollen Unterstützung bei Produkt- und Dienstleistungsinnovationen und der Entwicklung neuer Geschäftsfelder erhalten. Gemeinsam mit unseren Netzwerkpartnern stellen wir dazu notwendige Kontakte her und moderieren den Innovationsprozess. Geschehen soll dies in kleinen Runden, in denen die Unternehmen zusammen und mit der Wissenschaft auf Augenhöhe arbeiten. Dazu laden wir Sie bereits jetzt herzlich ein.